Zu den erfolgreichsten Sportlerinnen der Geschichte zählen die US-Sprinterin Allyson Felix mit elf Olympiamedaillen, Kunstturnerin Simone Biles mit ihrer Rekordbilanz an WM- und Olympiamedaillen, Tennislegende Steffi Graf mit 22 Grand-Slam-Siegen und Pionierin Martina Navratilova mit 18 Grand-Slam-Einzeltiteln. Jede von ihnen prägte ihre Disziplin über Jahrzehnte hinweg.
Die vier Karrieren liegen teils Jahrzehnte auseinander und verteilen sich auf drei völlig unterschiedliche Sportarten: Leichtathletik, Kunstturnen und Tennis. Trotzdem lohnt sich der Vergleich, weil er zeigt, wie unterschiedlich sich sportliche Grösse messen lässt – über Medaillenzahlen, über Dominanz auf der Weltrangliste oder über den gesellschaftlichen Einfluss weit über den Sport hinaus. Wer nach der Lektüre selbst Lust bekommt, aktiv zu werden, findet in unserem Ratgeber zur passenden Sportart praktische Anregungen für den Einstieg.
Allyson Felix: Die Sprintkönigin mit Rekordbilanz
Allyson Felix lief für die USA über 200 und 400 Meter und gilt heute als die Leichtathletin mit den meisten Olympiamedaillen einer Frau überhaupt: elf an der Zahl, gesammelt über fünf Olympische Spiele hinweg. Dazu kommen 20 Medaillen bei Weltmeisterschaften – mehr als jede andere Athletin oder jeder andere Athlet in der Geschichte der Leichtathletik-WM.
Bemerkenswert ist dabei weniger die reine Geschwindigkeit als ihre Langlebigkeit im Spitzensport. Während viele Sprinterinnen nach wenigen Jahren an der Weltspitze abtreten, blieb Felix von ihrem Olympiadebüt 2004 in Athen bis zu ihrem Karriereende zwei Jahrzehnte später konkurrenzfähig. Nach der Geburt ihrer Tochter, die per Notkaiserschnitt zur Welt kam, kehrte sie zudem in die Weltspitze zurück und setzte sich öffentlich für bessere Vertragsbedingungen für Mütter im Profisport ein. Ihr Fall sorgte in den USA für eine breite Debatte über Sponsorenverträge und Schwangerschaft im Leistungssport.
Ihre Bilanz macht sie zu einer Referenzgrösse in der Leichtathletik, an der sich jüngere Sprinterinnen bis heute messen lassen müssen. Trainer verweisen bei jungen Talenten regelmässig auf ihre Karrierestruktur, weil Felix zeigte, dass sportliche Höchstleistung und ein langes Karriereende sich nicht ausschliessen.
Zu ihren bekanntesten Erfolgen zählen Goldmedaillen im 200-Meter-Lauf sowie mehrere Titel mit der 4×400-Meter-Staffel der USA, mit der sie über gleich mehrere Olympia-Zyklen hinweg zu den international dominierenden Teams zählte. Nach ihrem Karriereende blieb Felix dem Sport als Unternehmerin und Fürsprecherin für Athletinnenrechte verbunden und gründete eine eigene Schuhmarke für Läuferinnen, weil sie mit der Passform bestehender Modelle unzufrieden war.
Simone Biles: Schwerkraft als Randnotiz
Simone Biles, geboren 1997 in Ohio, gilt als die technisch versierteste Kunstturnerin ihrer Generation. Sie hält den Rekord für die meisten Medaillen bei Weltmeisterschaften in der Geschichte des Turnsports, und gleich mehrere Elemente tragen offiziell ihren Namen, weil sie diese als Erste in einem internationalen Wettkampf zeigte.
Ihre Sprünge und Bodenübungen kombinieren eine Schwierigkeit, die lange als kaum turnbar galt, mit einer Präzision, die Kampfrichter regelmässig an ihre Bewertungsgrenzen bringt. 2021 sorgte Biles zudem für Aufsehen, als sie bei den Olympischen Spielen in Tokio wegen sogenannter „Twisties“ – eines gefährlichen Orientierungsverlusts in der Luft – mehrere Wettkämpfe aussetzte und offen über mentale Gesundheit im Leistungssport sprach. Nach ihrer Rückkehr bei den Spielen 2024 in Paris kam sie auf insgesamt elf Olympiamedaillen, sieben davon golden, und bewies damit, dass ihre Pause die Karriere nicht beendete, sondern nur unterbrach.
Dieser Schritt gilt heute als Wendepunkt in der Debatte um psychische Belastung im Spitzensport und hat vielen jüngeren Athletinnen Mut gemacht, ähnliche Probleme offen anzusprechen, statt sie zu verschweigen.
Auf dem Boden, am Pferdsprung und am Schwebebalken sind gleich mehrere nach ihr benannte Elemente offiziell im internationalen Regelwerk verzeichnet – eine Häufung, die es bei kaum einer anderen Turnerin gibt. Sportwissenschaftler führen das auf eine seltene Kombination aus Explosivkraft, Körperbeherrschung in der Luft und jahrelang verfeinerter Technik zurück, die ihr Elemente ermöglicht, die andere Athletinnen aus Sicherheitsgründen meiden.
Steffi Graf: Die einzige Golden-Slam-Siegerin
Steffi Graf gewann in ihrer Karriere 22 Grand-Slam-Einzeltitel und stand insgesamt 377 Wochen an der Spitze der Weltrangliste – bis heute ein Rekord im Damentennis. Als Grand Slam gelten im Tennis die vier grössten Turniere des Jahres: Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open.
1988 gelang der gebürtigen Mannheimerin ein Kunststück, das seither niemand wiederholt hat: Sie gewann in einem einzigen Kalenderjahr alle vier Grand-Slam-Turniere und zusätzlich die olympische Goldmedaille in Seoul – den sogenannten Golden Slam. Graf spielte dabei eine für ihre Zeit ungewöhnliche Mischung aus druckvoller Vorhand und schneller Beinarbeit, die viele spätere Spielerinnen kopierten, ohne je an ihre Konstanz heranzureichen.
Auch nach ihrem Karriereende 1999 blieb sie im Tennis präsent, unter anderem über die von ihr mitgegründete Kinderhilfsorganisation Children for Tomorrow, die sich für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten einsetzt. Nach ihrer aktiven Karriere heiratete sie den ehemaligen Weltranglistenersten Andre Agassi; das Paar tritt seither immer wieder gemeinsam für wohltätige Projekte im Bildungsbereich auf.
Martina Navratilova: Pionierin mit 18 Grand-Slam-Titeln
Martina Navratilova, geboren in Prag und später US-amerikanische Staatsbürgerin, gewann 18 Grand-Slam-Einzeltitel. Zählt man Doppel und Mixed dazu, kommt sie sogar auf 59 Grand-Slam-Titel insgesamt – bis heute der Rekord im Tennis, Männer wie Frauen eingeschlossen.
Ihr Spielstil war für die 1980er-Jahre ungewöhnlich offensiv: Statt von der Grundlinie aus zu warten, suchte sie konsequent den Weg ans Netz, unterstützt von einem für Tennisspielerinnen damals seltenen, gezielten Krafttraining. Diese Kombination aus Athletik und Aggressivität veränderte, wie Damentennis überhaupt gespielt wurde, und wird bis heute als Vorlage für das moderne Angriffstennis genannt.
1981 bekannte sich Navratilova öffentlich zu ihrer Homosexualität und wurde damit zu einer der ersten offen lesbischen Spitzensportlerinnen weltweit – zu einer Zeit, in der ein solches Bekenntnis im Profisport praktisch undenkbar war. Diese Offenheit machte sie über den Sport hinaus zu einer Symbolfigur für spätere Generationen von Athletinnen und Athleten. Auch nach ihrem eigentlichen Karriereende blieb sie dem Tennis treu: Sie spielte bis weit in ihre Vierziger und Fünfziger auf hohem Niveau im Doppel, coachte später selbst jüngere Spielerinnen und ist heute als Fernsehexpertin bei grossen Turnieren gefragt.
Was die vier Karrieren gemeinsam haben
Trotz unterschiedlicher Sportarten und Epochen zeigen sich bei allen vier Athletinnen ähnliche Muster: eine ungewöhnlich lange Zeit an der Weltspitze, die Bereitschaft, eingespielte Regeln der eigenen Disziplin infrage zu stellen, und ein Einfluss, der über Ergebnislisten hinausreicht. Graf und Navratilova prägten das Tennis von Grund auf neu, Felix veränderte den Blick auf Mutterschaft im Profisport, und Biles brachte psychische Gesundheit in die öffentliche Debatte des Spitzensports. Vier verschiedene Wege, dieselbe Wirkung: Sportgeschichte, die über den reinen Wettkampf hinaus nachwirkt.
Häufig gestellte Fragen
- Wer ist die erfolgreichste Sportlerin aller Zeiten?
Eine einzelne Antwort gibt es nicht, weil sich Erfolge in unterschiedlichen Sportarten kaum direkt vergleichen lassen. Gemessen an Titeln und Langlebigkeit gehören Allyson Felix, Simone Biles, Steffi Graf und Martina Navratilova zu den prägendsten Sportlerinnen der Geschichte.
- Welche Sportlerin hat die meisten Olympiamedaillen gewonnen?
Die US-amerikanische Leichtathletin Allyson Felix hält mit elf Olympiamedaillen den Rekord unter den Frauen in der Leichtathletik. Ihre Bilanz über mehrere Spiele hinweg macht sie zu einer der erfolgreichsten Olympionikinnen überhaupt.
- Was macht Simone Biles so besonders?
Simone Biles hält den Rekord an WM-Medaillen im Kunstturnen, und mehrere nach ihr benannte Elemente zeigen, wie sehr sie die technischen Grenzen ihres Sports verschoben hat. Wer tiefer einsteigen will, findet in unseren Beiträgen Die beeindruckendsten Rekorde im Sport und Die lustigsten Sportzitate aller Zeiten weiteren Lesestoff.
- Wie viele Grand-Slam-Titel hält Martina Navratilova?
Navratilova gewann 18 Grand-Slam-Einzeltitel. Rechnet man Doppel und Mixed hinzu, kommt sie auf insgesamt 59 Grand-Slam-Titel – der bis heute unerreichte Rekord im Tennis.
Wer sich für Ausdauer und Trainingsdisziplin abseits der grossen Namen interessiert, findet in unserem Beitrag zu Trainingsplanung mit Fitness-Apps weitere Impulse. Auch im Schweizer Traditionssport gibt es starke Geschichten – mehr über Schwingen und das ESAF liest du hier.


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