Plastikfressende Pilze sind Mikroorganismen, die mithilfe spezieller Enzyme Kunststoffe in einfache, biologisch abbaubare Bestandteile zerlegen. Forschende untersuchen sie seit einigen Jahren als einen von mehreren Ansätzen gegen die weltweite Plastikflut, mit ersten vielversprechenden, aber noch begrenzten Ergebnissen aus Labor und Feldversuchen.
Wie gross ist das Plastikproblem wirklich?
Die weltweite Kunststoffproduktion wächst seit Jahrzehnten. Nach Zahlen der OECD erreichte sie 2023 rund 414 Millionen Tonnen – recycelt wurde davon nur etwa neun Prozent. Der Rest landet auf Deponien, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt, teils über Jahrzehnte hinweg. An diesem Punkt setzt die Forschung zu plastikabbauenden Pilzen an: Sie sucht nach biologischen Wegen, diesen Rückstand zu verringern.
Der Fund im Regenwald
Im Jahr 2011 beschrieb ein Forschungsteam mit Studierenden der Yale-Universität erstmals den Pilz Pestalotiopsis microspora, entdeckt im Regenwald Ecuadors. Ungewöhnlich war vor allem eines: Der Pilz baut Polyurethan sogar unter Sauerstoffmangel ab, wie er tief in Deponien vorkommt. Veröffentlicht wurde die Studie im Fachjournal «Applied and Environmental Microbiology».
2017 folgte der nächste Beleg: Eine Untersuchung im Fachblatt «Environmental Pollution» zeigte, dass auch der Schimmelpilz Aspergillus tubingensis Polyurethan innerhalb weniger Wochen zersetzt.

Wie der Abbau funktioniert
Kunststoffe bestehen aus langen, stabilen Molekülketten. Pilze sondern Enzyme ab, die wie eine Schere wirken und diese Ketten an bestimmten Stellen aufspalten. Wie solche mikrobiellen Prozesse überhaupt möglich wurden, lässt sich bis zu den Anfängen des Lebens zurückverfolgen. Die entstehenden Bruchstücke nimmt der Pilz als Nahrung auf und verwandelt sie in Energie und Biomasse. Zurück bleiben einfache Verbindungen wie Wasser.
- Schritt 1: Enzyme greifen die Oberfläche des Kunststoffs an.
- Schritt 2: Lange Ketten werden in kurze Bausteine zerlegt.
- Schritt 3: Der Pilz verstoffwechselt die Bausteine.
Was funktioniert heute schon – und was nicht?
Im Labor funktioniert der Abbau erstaunlich zuverlässig. Draussen sieht das anders aus: Temperatur, Feuchtigkeit und Nährstoffangebot schwanken, und ein vollständiger Abbau kann Wochen bis Monate dauern. Fachleute sehen den grössten Nutzen 2026 deshalb in kontrollierten Anlagen, etwa zur Vorbehandlung von Abfall, der sich klassisch kaum recyceln lässt.
| Pilz | Jahr | Kann abbauen |
|---|---|---|
| Pestalotiopsis microspora | 2011 | Polyurethan, auch ohne Sauerstoff |
| Aspergillus tubingensis | 2017 | Polyurethan innerhalb von Wochen |
Häufig gestellte Fragen
Können Pilze jeden Kunststoff abbauen?
Nein. Bislang zeigen Studien vor allem Erfolge bei Polyurethan und einigen verwandten Kunststoffen; sehr stabile Materialien wie reines PET sind deutlich schwieriger abzubauen.
Ist das eine Lösung für das Plastikproblem?
Pilze sind ein vielversprechender Baustein, ersetzen aber keine Müllvermeidung und kein Recycling. Am wirksamsten bleibt es weiterhin, von vornherein weniger Plastik herzustellen.
Wie lange dauert der Abbau?
Je nach Pilzart, Kunststofftyp und Umgebungsbedingungen reicht die Spanne von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten – unter Laborbedingungen eher am unteren, in freier Natur eher am oberen Ende.
Ist die Methode schon im Einsatz?
2026 steckt die Anwendung noch grösstenteils in der Forschung und in Pilotprojekten; grosse industrielle Anlagen gibt es bislang nicht.
Fazit
Plastikfressende Pilze belegen, dass Mikroorganismen ungewöhnliche Aufgaben übernehmen können – ähnlich überraschend agiert die Natur auch beim Wetter, wie das Cloud Seeding zeigt. Am Plastikproblem ändern die Pilze allein wenig: Die OECD-Zahlen zu Produktion und Recycling bleiben hoch, und Pilotprojekte brauchen Zeit. Realistisch ist ihr Beitrag dort, wo klassisches Recycling bislang versagt – als Ergänzung zu weniger Verbrauch, nicht als Ersatz dafür.

